Diagnostik der Spinalen Muskelatrophie

 
 
 

Bei Kleinkindern mit proximaler Hypotonie und Muskelschwäche, Schluckschwierigkeiten sowie einer paradoxen Atmung (Zwerchfellatmung) sollte unbedingt die Verdachtsdiagnose Spinale Muskelatrophie in Betracht gezogen werden. Dies gilt ebenso für Jugendliche mit Hypotonie und proximaler Muskelschwäche, wenngleich respiratorische Symptome bei ihnen weniger im Vordergrund stehen als bei den Kleinkindern.1 Bei einem Anfangsverdacht auf eine neuromuskuläre Erkrankung sollten die Patienten unbedingt in ein neuromuskuläres Zentrum überwiesen werden

Mehr über Symptome der SMA

 

 
 
Diagnosepfad bei Verdacht auf 5q-assoziierte SMA; modifiziert nach [1]

Die Gene SMN1 und SMN2 werden molekulargenetisch untersucht

Der Goldstandard für die Diagnose der Spinalen Muskelatrophie ist eine molekulargenetischen Untersuchung auf homozygote Deletionen im SMN1-Gen.1 Bei dem Gentest kommen verschiedene molekulardiagnostische Verfahren zum Einsatz – Multiplex Ligation-dependent Probe Amplification (MLPA), quantitative PCR oder Next-Generation Sequencing (NGS).1 Homozygote Deletionen im SMN1-Gen betreffen etwa 96% der Patienten.1 Für den Fall, dass in der Molekulardiagnostik symptomatischer Patienten eine intakte SMN1-Genkopie nachweisbar ist, muss deren Sequenz auf relevante Mutationen hin untersucht werden.1 Homozygote Mutationen in zwei oder mehr SMN1-Genkopien wurden bisher nur in blutsverwandten Familien beschrieben.2

Falls bei symptomatischen Patienten die Molekulardiagnostik auf ein intaktes SMN1-Gen hinweist, sollte die Muskelhypotonie differentialdiagnostisch als Symptom einer anderen (neurologischen/ neuromuskulären) Erkrankung abgeklärt werden.1

Im Rahmen der molekulardiagnostischen Untersuchung lässt sich auch die Anzahl der SMN2-Genkopien bestimmen. Die Kopienzahl gilt als prädiktiver Marker und spielt eine Rolle bei der Typisierung der Spinalen Muskelatrophie.3

Umfangreiche Informationen zur Diagnose der SMA
Standards of Care SMA

  

 
 
  • Referenzen
    1. Mercuri E, et al. Diagnosis and management of spinal muscular atrophy: Part 1: Recommendations for diagnosis, rehabilitation, orthopedic and nutritional care. Neuromuscul Disord 2018; 28:103-115. Pubmed-Link
    2. Kirwin SM, et al. A homozygous double mutation in SMN1: a complicated genetic diagnosis of SMA. Mol Genet Genomic Med 2013; 1:113-117. Pubmed-Link
    3. Tizzano EF, Zafeiriou D. Prenatal aspects in spinal muscular atrophy: From early detection to early presymptomatic intervention. Eur J Paediatr Neurol 2018; 22:944-950. Pubmed-Link